23
Okt
2009

überlandleitungsmusik

drähte klingen
der wind pfeifft uns was

im raschelnden laub
suche nach kinderlachen
wärme für den herbst

so treibt der wind sein spiel
in die blechkanne hinein
und heulend hinaus

hast du noch töne

©GJ2003/2007

20
Okt
2009

inne halten

blauviolett der abendhimmel –
schmal schimmert
goldorange am horizont

zeichen gegen vergessen
flackern friedlich
auf dem gräberfeld der kriegstoten

eine fledermaus lautlos
im dämmerlicht
macht reichlich beute

kühl fällt das Mondlicht
durch die kahle birke
auf das schwarz der thuja

das erinnern trägt
die schritte
heimwärts

©GJ2005/2009

18
Okt
2009

Nachträge

Wer war das eigentlich, der gesagt hat, dass die Zufriedenheit der Tod des Glücks sei?

14.10. 20:00 Uhr Kunstverein Frankfurt OPEN BOOKS

Lesung Thomas von Steinaeckers aus seinem Roman "Geister", der fast zum Comic wird. In den Lesepausen Musik von Leuten, von denen ich noch nie gehört hatte …(Lee Buddah (Philip Steegers –Name abgeleitet von „Libuda“ dem Rechtsaußen im Fußball der 60ziger Jahre, von dem gesagt wurde, das er an Gott vorbeikäme, und Günter Papperitz, Letzterer Dozent an der Pophochschule in Hannover, die es erst seit einem Jahr gibt). Thomas von Steinacker las reichlich und man konnte nachher gut verstehen, was es mit dem Roman, der fast zum Comic wird, auf sich hat. Er greift immer wieder vor, indem er Zukünftiges als bereits Geschehenes beschreibt, um dann den Schritt in die Gegenwart „zurück“ zu tun, von dieser ausgehend sich die Zukunft dann doch anders entwickelt. Ein wenig skurril, sehr unterhaltsam und nachdenklich machend.
Almut Ulrike Sandig und Marlen Pelny erstaunlich luftig, leichtfüßig und sicher, auch zwischen den Texten/Songs, sehr lebendig, sehr professionell und bereichernd.
Man stelle sich vor: Lyrik, die richtig Spaß macht. Ein bisschen Augenwischerei ist natürlich dabei, weil sich die Texte A. U. Sandigs bei genauem Hinhören/-schauen, als noch zu interpretieren erweisen … soll heißen, dass sie sich erst wirklich nach mehrmaligem Hören oder Lesen erschließen und manchmal auch nicht ganz, was sie aber erst recht lesenswert und lebendig macht.
Aber alles wirkt frisch und unverbraucht, selbst als Marlen selbstironisch, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ auf der Gitarre anstimmt, um es nach der ersten Strophe quasi auf den Kopf zu stellen, hört sich das irgendwie „neu“ an.
Ich war sehr zufrieden mit der literarischen Seite des Abends ...

... und wären da auf dem Rückweg zum Parkhaus nicht die Stiefmütterchen im kalten Wind gewesen und die Stiefkinder unserer Wohlstandsgesellschaft, hätte ich weniger gefroren und wäre fröhlicher nach Hause gefahren. ...

17.10. nochmal Kunstverein


"Überm Rauschen" heißt Norbert Scheuers Erzählung, mit der er auch für den Deutschen Buchpreis nominiert war, den dann Kathrin Schmidt für "Du stirbst nicht" bekam.
Norbert Scheuers literarischer Ton, voller Poesie entfaltet eine Sogwirkung. Eine wunderbare Geschichte (vom Angeln im Fluss) über das Glück, oder das was Glück sein kann.
Er las den Anfang, erzählte ein wenig, auch über den Ort, an dem die Gechichte in der Eifel (seiner Heimat) spielt und las dann noch einen weiteren Abschnitt.
Im Interview sagte Norbert Scheuer auf die Frage, warum er denn seine Geschichten immer in seiner Heimat spielen lasse, dass er der Meinung sei, ein Schriftsteller solle von Orten erzählen, an denen er sich auskennt.

Jan Weiler hätte ich mir schenken sollen, aber ich wollte es ganz genau wissen. Da hallt nichts nach. Es mögen die Massen ruhig seine Kolumnen verschlingen und den Film "Maria ihm schmeckts nicht" mit Begeisterung ansehen, ich brauch das nicht.

Markus Orths gewohnt gut, ironisch reflektierend in "Hirngespinste", dass es der Qualität des Geschriebenen eher abträglich sei, bereits beim Schreiben darauf zu schielen, was und wie der Leser es gern hätte ...

Tja und dann noch Reinhold Messner, der die Menschen nach wie vor in seinen Bann zieht, mit "Westwand, Prinzip Abgrund" ... was ich behalten habe:
... dass die Suche nach dem Glück das Entscheidenede sei und glücklich mache; der Moment jedoch, in welchem man bemerkt das Glück gefunden zu haben, es eigentlich schon vorüber sei …

... dass Angst unbedingt zum Leben und Fühlen dazugehört, das sie das andere Ende des Mutes sei ...
... richtig, auch dieses: Dass "Abenteuer" immer etwas damit zu tun habe, völlig auf sich gestellt zu sein und den Tod als Mögliches einzuberechnen ...

13
Okt
2009

end blättern?

angst
schwingt mit
beim entblättern
wiegt schwer
zu viel steht in seiten
auf dem spiel

©GJ 2004

12
Okt
2009

Lesung

Ab heute auf hr2kultur, Mo.-Frei. um 09:30 und Wdhlg. um 14:30 Uhr, liest Ulrich Matthes
Herta Müllers „Atemschaukel“
Bin sehr beeindruckt.

Zitat aus der ersten Lesung:
Ich kann mich mit Reden nicht auspacken, nur anders einpacken.

11
Okt
2009

septemberbaum …

der milde wind weht
späten sommer übers feld
doch erste blätter fallen
und schritte knistern mürbe

wie weich huscht jetzt das licht
schräg über dein gesicht
und ächzen früchtelastig
geht durch den alten stamm

ein hauch nur von kamille
vergehen in der luft
im braunen erdgeruch
im summen später bienen
unendlich weit die stille

"verweile doch ..."

©GJ20090913

10
Okt
2009

Friedensnobelpreis

Die Verleihung des Friedennobelpreises an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama halte ich für verfrüht.

Begründung der Vergabe im Wortlaut

Ferner frage ich mich, ob wir in Zukunft damit leben müssen, dass der Friedensnobelpreis an jemanden verliehen wurde, der einen Krieg weiterführt und über Truppenverstärkung nachdenkt ...

Sehr nachdenkliche GeRdanken

Hier ein Artikel, mit dessen Inhalt ich konform gehe, obgleich ich das Blatt, in dem er erschien, nicht als Lektüre empfehle.


ein schmaler grat

kurz vor der schwelle / zögern / innehalten / (ver)schwimmende grenze zwischen traum und tag / unbewusstem und erkennen / bauch / kopf / zurückweichen / den (alles)entscheidenden schritt überdenken / neu ansetzen / den kitzel des freien willens genießen / etwas zu/lassen oder es tun / dem emotionalen druck widerstehen / den verstand einschalten / kühl vor der schwelle verharren / sich zügeln oder hingezogen sein / antreiben oder treiben / lassen / was gilt es zu verhindern / einen film kann man zurückspulen / leben geschieht in echtzeit / entscheidungen können nicht ungeschehen gemacht werden / doch manchmal tut man den zweiten Schritt vor dem ersten /

8
Okt
2009

Nobelpreis für Literatur

Ich bin begeistert, dass Herta Müller den Literatur-Nobelpreis bekommen hat ... und nicht nur weil sie eine Frau ist.

Ein Lichtblick heute, an einem weiteren Tag, in einer Reihe von Tagen, an denen nichts gelingen will …
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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