31
Dez
2011

... Haiku

Letztes Laub rieselt.
Vorm Fenster kahle Äste
Und Wunschträume

©GJ2011

30
Dez
2011

Haiku-Suche zum Jahresende

Bilanz am Ende
Auf das neue Jahr bauen
Mängel inbegriffen

©GJ

Gleichmäßig
atmet der Hund
Aufschreckt er beim ersten Knall

©GJ

29
Dez
2011

Jahreswechsel

irdisch

im all knautscht sich
der halbmond zum beutel
seine kraterflecken erinnern
an löcher in fahlgelben käselaibern
ganz irdisch und doch unnahbar
zeigt sich der trabant dem betrachter
dessen gedanken völlig
unpoetisch und unsentimental
das jahr bilanzieren auf das neue bauen
und hoffen die liebste bei vollmond zu sehen


©GJ20111229

27
Dez
2011

(Eiszeit II)

Winterstill die Bank
Frühmorgens Erwachen
unter Zeitungen

©GJ20071126

23
Dez
2011

Vom Sein

Der Regionalexpress tutet laut vor der nächsten Kurve. Ich genieße die Zugfahrt ins Gebirge.
Die Fahrgeräusche hören sich mit ein bisschen Phantasie, nach dem Stampfen einer alten Dampflok an. (Der Zug fährt aber mit Benzin).
Schnee, Reste hier und da, weiße Flecken an den Hängen.
Ich steige aus, schultere den Rucksack und lasse den Bahnhof zur Linken zurück, begebe mich quer durch die Stadt Richtung Feldberg.
Als ich auf dem Wanderweg bin, im feuchten schweren Kiefernduft, weiß ich nicht, ob ich nur existiere oder bin. Wassertröpfchen, zieren die grünen Nadeln wie Glitzersteinchen.
Die Luft hält eine nasse Last in unsichtbaren Beuteln, aus denen es ab und zu nieselt.
Ich atme durch und gehe bergan. Fort vom Lärm der Stadt will ich zu mir wandern.
©GJ20111223

21
Dez
2011

Weihnachtsfriede

Weit und breit ist kein Frieden zu finden. Falsche Freunde kündigen dir die „Freundschaft“ Aus der Schusslinie hast du dich genommen. Verschwommen dein Erinnern an Sinnhaftigkeit … wie fröhlich ist doch die Weihnachtszeit!
Dramatisch, wie sich manche im Wechsel bescheren. Warum gibt es eigentlich kein Volksaufbegehren gegen Weihnachtsstress und Gefühlsduselei? Romantik hat Hochkonjunktur, genau wie die Single-Kneipen, in denen der Wein noch schaler schmeckt als das Leben.

Auf einer Insel mittendrin, hast du es warm, dein Leben ist schön und für dich hat es Sinn.
Gespendet hast du, wie alle Jahre wieder, ohne Kirchenlieder singen zu müssen, per Überweisung an „Brot für die Welt“. So streichelst du deine Seele, dein Helfersyndrom, als ginge es um nichts weiter, als bloß ums Geld.
Du findest deine Weihnachtsnische, spielst bibelfest den Verkündigungsengel im Seniorenheim. Niemand, der nicht zu Tränen gerührt, von der Zeit die du den Alten schenkst, deines vollen Terminkalenders zum Trotz. Danach gehst du in deine Wohnung und duschst als könnest du allen Schmutz abwaschen. Dann zündest du die Kerzen in den Desingner-Ständern an, hörst Händel und Bach und dennoch, alles so dunkel, kalt und still.

©GJ20111221

20
Dez
2011

stadtspaziergang

... ein alter Text ..., der heute zu mir "sprach".

winterstumme wege im nahen park
schwarze bäume am see
enten im wackelgang auf dem eis
eine möwe protestiert

menschen
frostgemeißelt ihre mienen
hinter hochgestellten krägen
eilen ins warme zurück

am theater
unterm denkmal des dichters
kreist bei den punks
eine thermoskanne

in der alten kirche
beobachten wir unsere atemwolken
die im halbdunkel stehen bleiben
und das zittern der kerzenflammen

aus der herzschlagstille
zieht deine hand mich richtung café
heiße schokolade schmelz auf der zunge

©GJ2004/2008

19
Dez
2011

und doch

prismenstreifen steigen und fallen
opal-irisierend in den see
du tauchst ein ins strahlen
noch ist lichtzeit
dunkel und nirwana
halten indes die netze bereit


©GJ20111218
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