13
Aug
2012

lichtblick/Lyr. Postkarte II

ich fahre und fahre und fahre
renne, hetze, jage hin und her
im kreis und mach‘s mir schwer
und komme nirgends an.
von dort schreibe ich dir.
aussichtslos.
komm zu mir.
mein lichtblick!

©GJ20120811

12
Aug
2012

ich mache mich gut, Lyr. Postkarte I

... im geduldig werden. du hast mich
auf deinen Geschmack gebracht.
ich habe cranberrysaft gekauft.
trinke. genieße ihn. der biss ins
zanderfilet. das erinnern daran
dass es vor einer Woche besser war
als das von heute ist.

auch sonst mache ich mich gut
esse viel salat und obst. kaum sahne.
gehe hinaus durchs tal in die felder
noch ohne erinnerungespunkte.
ruhe ausreichend bei offenem fenster
bewege mich regelmäßig

schreibe viel und denke
höchstens
eine halbe Stunde täglich und des nachts
wenn ich schlafe
wenn ich denn schlafe
nicht an dich.
ich vermisse dich schmerzhaft
entdecke die zweisamkeit.

©GJ20120821012

10
Aug
2012

hintergründe


für kältere tage


sieben urlaubsfotos sollen flimmern, rotieren
als täglich wechselnder bildschirmhintergrund
als ob ich die liebe im bild fände, ihr beikommen könnte
dabei liegt alles in ihr selbst, offenbarung und verwunschenes
nichts was sie fassen, es erklären könnte

so beginnen wir wieder miteinander zu rechnen
als wären über vierzig jahre kein unerforschter kontinent
auch zählen wir gemeinsam verbrachte tage rückwärts
mit bedacht an erlebniswundern festgemacht

es war heute vor einer woche,
vor zwei oder drei, ausgezählt,
vergangen aber nicht vorbei
nach vieren wieder der vollmond
diesmal ohne bergkulisse und open air konzert
aber dieses noch immer lebendig, inwändiges echo

bis zum wiedersehen in vier, drei, zwei
einer woche halten wir den takt
des telefonierens aufrecht
schauen nun voraus

können auf uns zählen

©GJ20120810

8
Aug
2012

Mosaik

brüchig noch
träume nicht abgefedert
im fallen aufgefangen
später sonnenaufgang

morgentau verheißung
für weitere mosaiksteinchen
vergangenes zum leben erwecken

erwachsen sind wir noch kinder
glücksglaube stillt unseren hunger

©GJ20120806

7
Aug
2012

schlaflos in s.

abgezählte sonnentage fließen
minutenschnell dahin und
tauchen ab ins abendrot
als wirke nicht kraftvoll lebendige glut
zerrieselt die uhr sekunden
im sommerregen der keinen brand löscht

härchenflaum zartgolden im licht
statisch aufgeladen

©GJ20120805

25
Jul
2012

digitalis

lichte tage grünschattiert
vorbei der mai, es schimmert
schon blau über der gerste

am weg hinauf zum wald verbreiten
holunderbüsche weiße schwüle und
kiefernzapfen würzen die luft

roter fingerhut früh im jahr
leuchtet steil aufgerichtet – und_

wie geht es deinem herz?

laufe barfuß über tannennadeln
streu mir pfeffer auf die erdbeeren
um mich zu spüren

©GJ2012/2008

13
Jul
2012

Desdemona 2012


für Othello


Liebesbeweise konnten dich nicht überzeugen
die Zweifel intrigant gesät, züchteten deinen Hass
und trugen reiche Frucht, um deine Frau zu richten

Kein Wort aus ihrem Mund erreichte noch dein Ohr
du wurdest blind und taub vor Wut, verfluchtest sie,
und schenktest Lügen deinen Glauben

Du prüftest das ihr Unterstellte nicht auf Wahrheit hin
du schäumtest, kochtest voll Verachtung,
sahst nur den Weg der Rache, zu retten deine Ehre

Doch Desdemona floh und brachte sich in Sicherheit
Sie hatte Kraft sich zu befreien, dich zu bewahren
vor deiner Schwäche, die du als Stärke denkst


©GJ20120709

6
Jul
2012

Zum Tag des Kusses

… wenn du nur wüsstest …

Dein Zögern hat mich sehr verwirrt,
als du mich auf die Wangen küsstest.
Wer weiß, ob ich mich nicht geirrt,
dacht’ ich für einen Augenblick,
dass du es spüren müsstest,
wie sehnsuchtsvoll gefangen
ich hing an deinem Lippenrund.
Ach ja, wenn du nur wüsstest,
du küsstest statt der Wangen
schon lange meinen Mund.

©GJ2004
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Sommer - Haiku/Senyru


Früh am Bahnsteig
Sommer-Duft-Moleküle
In Schwingung

Düfte bei Douglas
Schwere Kollision
In der Mittagsschwüle


Mittagstrubel
Unter Platanen
Ein Nickerchen


Klack, knacks, knickt sie um.
Fürs historische Pflaster
zu hoch gestöckelt.

©GJ20120620
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