17
Mai
2009

Paolo Coelho

... was ich schon länger sagen wollte:

Mein ältester Sohn wünschte sich „Veronika beschließt zu sterben“ von Paolo Coelho. Da er es dann aber zunächst nicht las, lieh ich es mir aus, weil ich mir dachte, es könne nicht schaden, von einem Schriftsteller, um den weltweit Aufhebens gemacht wird, wenigstens eines seiner Bücher gelesen zu haben.
Ich gebe zu, ich hatte keine Ahnung, was und worüber und vor allem aus welchen Beweggründen Coelho schreibt. Allerdings, hatte ich von Menschen, die ich durchaus als gebildet und intelligent betrachte, vor Jahren Lobendes über den „Alchemisten“ vernommen.
Ich las also „Veronika beschließt zu sterben“ und war milde gesagt enttäuscht. Was war das bloß für ein Schmarren? Was Coelho in diesem Buch für Allgemeinplätze und längst bekannte Lebensweisheiten verbreitet ließ mich das Buch kopfschüttelnd zur Seite legen. Der Grundgedanke, dass man etwas erst dann wertschätzt, wenn man es nicht mehr hat, ist alt und bekannt. Mit anderen Worten, Coelho erzählt nichts Neues, bewegt sich auf einem von Pseudowissenschaft und Esoterik geprägtem Terrain, was augenscheinlich für viele Leser weltweit Anreiz zum Lesen ist.

Nun gut, dachte ich, ich will kein Urteil fällen, nachdem ich nur ein Buch von ihm gelesen habe. Recherchierte ein wenig in seiner Biografie und entschloss mich, „Brida“, was noch nicht lange in der Deutschen Übersetzung vorliegt zu lesen.

Nun steht mein Urteil fest: Millionen Leser können irren.
Meiner Ansicht nach ist Coelho der derzeit am meisten überschätze Autor überhaupt.

Ich wartete beim Lesen von „Brida“ immer wieder vergeblich darauf, dass ich zumindest würde sagen können, gute Sprache, interessanter Aufbau, Aber nichts von alledem. Unausgegorene Formulierungen, Wiederholungen, ohne dass diese als Stilmittel zu erkennen gewesen wären, von der Handlung ganz zu schweigen.
Es geht nämlich um Magie: Um Hokuspokus. Die Hauptfigur macht Astralreisen taucht in Parallelwelten ein und wird schließlich als Hexe „initiiert“.
Weshalb Coelho sich immer wieder auf die Bibel bezieht – mir kam es beim Lesen so vor, als wenn allein das Wort „Gott“ mindestens einmal pro Seite erwähnt wurde –hängt vermutlich mit Coelhos Biografie zusammen, was mich aber nicht tröstet.

Zur Enttäuschung über einen der auflagenstärksten Autoren mischt sich ein gewisses Entsetzen darüber, dass es so viele Menschen gibt, die aus seinen Büchern anscheinend Kraft schöpfen. Und das im 21. Jahrhundert … man könnte meinen die Aufklärung sei bei manchen Zeitgenossen immer noch nicht angekommen.

Einen schönen Sonntag!

10
Mai
2009

Muttertag (2008)

In den Feldern ringsum keimt es,
blüht der Raps. So soll es sein im Mai!
Gelb bis an den Horizont – Sonne -
im Herzen und Muttertagsgedenken.
Frühlingserwachen überall – trügerisch.

Babyleichen in einer Kühltruhe.
Leben im Keim erstickt.
Überfordert die Mutter?
Schuldig! (fühlt sie sich)???
Fragen nichts als Fragen.

Immer noch singen Lerchen.

©GJ20090510

8
Mai
2009

Schreiblust


Ein Sonett für hessische Sommer des 21.sten Jahrhunderts
(Wider - und für alle so-netten Regeln)

Ich habe auf Sonette mich verstiegen,
damit der Schreibfluss ungebremst sich regt.
Das Handwerk will geübt sein und gepflegt.
Ideen soll’n trotz Hitze nicht verfliegen.

Scheint zwar des Geistes Quelle unbewegt,
lässt sie die Jamben dennoch nicht versiegen.
Und Worte kann man notfalls auch mal biegen,
selbst wenn die Regeln dann wie weggefegt.

So fließen weiter Reime über Lippen,
oft gut in Form, ein wenig wie ich will,
freilich: es reizt, sie manches Mal zu kippen.

Ein Riesenspaß, wenn alle Tasten tanzen,
da es ansonsten eher leis und still –
zur Sommerzeit - im Großen und im Ganzen.

©GJ 20090503

Am Sonntag las Michael Quast dieses Sonett in der Sendung "Kleinkunst" auf hr2 Kultur im Rahmen des hessenweiten Tages für die Literatur.
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?key=standard_document_36958504&rubrik=20314#titelnull

1
Mai
2009

Was - wenn nicht Liebe?

Der Sinn und Zweck des Schreibens, sagtest du,
kann doch nur jener sein, dass wir uns wieder sehen.
Nur wissest du zurzeit nicht Wann und Wie und Wo.
Wenn je der Wunsch vorhanden war, er wird vergehen.

Vergessen wirst du mich, das glaube ich mit Bangen.
Trug mich auch Hoffen, so trog mich mein Gefühl.
Dein Kümmern, deine Sehnsucht, dein Verlangen,
sie waren wohl nicht Neigung, sondern Spiel.

Für mich ist solch Verhalten starker Frust
Es unterdrückt die Freude, raubt mir Kraft,
ermüdet mich und hemmt die Lebenslust.

Der Zuspruch guter Freunde macht mir keinen Mut.
Ich fühle mich bestraft und gründlich abserviert
Es fehlen mir nicht Worte - jedoch gesunde Wut.

©GJ20090501

21
Apr
2009

im sog

... den duft erinnern
den kick
unausweichlich
immer wieder
auf entzug
lebenslang
süchtig ...

©GJ2005

19
Apr
2009

explosions artig

nach dem regen
regt es sich
in kapseln
presst sich
aus kelchen

treiben
zum erblühen
verblühen
absterben
ruhen

©GJ2003

Morgen ist auch ein Neubeginn ganz anderer Art ...

16
Apr
2009

vergehen VI

himmlisch geschmiegt in
hinreißenden duft
weißer blüten

im frühjahr
unterm kirschbaum
lebt lust sich leicht


verstörend schwer steigt
geruch toter rosenblätter
aus dem nichts beschworen
durch erinnern genährt

vergänglich

©GJ2009

15
Apr
2009

i. m. 25. April 2004

... die Streuobstwiese, Duft von Mirabellenblüten, ein zärtlicher Blick, Sonnenstrahlen auf nackter Haut, frisches Gras - darin zwei Abdrücke von Rastlosen, die ruhten - unter dem Flügelschlag des Bussards...
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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