13
Mai
2010

Er hing an ihren Lippen ...

Neulich auf dem Literaturseminar hörte ich jemanden sagen, dass man so abgesdroschene Sätze, wie, "Er hing an ihren Lippen", nicht mehr schreiben könne, weil ein solcher Satz durch den häufigen Gebrauch (besonders in der Trivialliteratur) abgenutzt ist.
Ich pflichtete dem sofort innerlich bei.
Doch was schreibt man stattdessen, ging es mir Tage später durch den Kopf.
Dieser Satz hat sich zwar nie in meinem Repertoire befunden, aber darüber nachzudenken ob es eine adäquate poetische Formulierung gibt, kann nicht schaden.

Ich bin noch auf der Suche ...

6
Mai
2010

"Offene Unruh"

Nun hab ich' s. Gestern gekauft und wusste vom ersten Moment des In-den-Händen-Haltens, dass ich Michael Lentz' Texte lieben werde.
Abgesehen vom Inhalt verführt mich das Buch, selbst etwas hineinzuschreiben, weil es so gut in der Hand liegt und so unprätentiös daherkommt.
Ich finde, ein Muss für Lyrik-Liebhaber und solche, die sich ein Bild machen möchten, ob und wie man immer noch und immer wieder über die Liebe schreiben kann ... ganz "offene Unruh" und innerer Aufbruch.

2
Mai
2010

Durst*

Sonnenglast, die Luft steht still.
Am Horizont Flimmern,
die Hitze als Gaukler.
Geschwollen die Zunge,
pelzig der Geschmack
nach verbrannter Baumwolle.
Jeder Schritt ein Lechzen.
Die Oase zum Greifen
nahe, der Geruch von Wasser
oder Eulenspiegelei?

©GJ20100502

*Themenvorgabe beim Literatur-Workshop in der Ev. Akademie Arnoldshain.

Der Literatur-Workshop begann am Samstag um 11:00 Uhr mit einem Vortrag "Verborgene Schönheit" der Prof. für Kulturanthropologie, Ina Maria Greverus. Danach konnten die Teilnehmer ihre/n KursleiterIn wählen. Kerstin Hensel, Autorin - Leonce und Lena Preisträgerin 1991 - betreute die eine und Heiner Boehnke, Literaturwissenschafter - u. a. Literaturredakteur im Programmbereich Kultur und Wissenschaft beim HR - die zweite Gruppe.
Das Thema wurde abgeleitet vom Vortrag über "Verborgene Schönheit" ... Wie sich beschreiben lässt, was sich den Blicken entzieht ..., wurde aber auf das feuchte Element des Wassers beschränkt, wobei sich die Beschränkung nicht als eine solche erwies.

Der Workshop endete am Sonntag um 15:00 Uhr, nachdem sich beide Gruppen Teile aus ihren Arbeiten vorgelesen hatten und der abschließenden Feedbackrunde für die Organisatoren.

Wenngleich ich nach den zwei Tagen, die einer, in vieler Hinsicht zu voll gepackten Woche folgten sagen kann, ich verfolgte mit Interesse, was völlig unterschiedliche Menschen/Autoren aus derselben Themenvorgabe machten, bleibt als Fazit: Ich kann nur für mich allein (allenfalls mit Musik im Hintergrund) arbeiten, um etwas nach meiner Ansicht Anspruchsvolles zu schreiben. Der Text oben ist auch nicht so im Workshop entstanden, sondern wurde zu Hause aus-, bzw. nachgearbeitet, ist aber noch nicht rund.

18
Apr
2010

sole e da bruno

braun war er,
braungebrannt,
elegant duftend,
einfach einladend
und appetitlich,
ein wenig überschäumend -
vielleicht –
und heiß
wie er dastand –

zum genießen

schluck für schluck

©GJ2008

17
Apr
2010

Nur Fliegen ist schöner ...

Bitte nicht missverstehen, ich weiß, dass es im Einzelfall - Hi Chrissie-Christine ;-) - sehr bedauerlich ist, dass die Flüge nicht gehen wie gebucht ... aber es hat auch dieses eine zweite Seite finde ich. Vielleicht lassen wir uns anregen darüber nachzudenken, woran unser "Sicherheitsdenken" sich orientiert und wie wir Sicherheit berechnen, bzw. voraussetzen und wie wichtig ist eigentlich Flexibilität? Welchen Stellenwert hat lückenlose Planung? Was zeigt/sagt uns ein sog. "Strich durch die Rechnung"?

Ist es nicht phänomenal, ja schon fast genial, dass ein "Kleiner Vulkan", den Flugverkehr lahmlegt und menschliche Planung ad absurdum führt?

Ich denke, dass dieses wieder einmal mehr beweist, wie klein wir Menschen mit all unseren technischen Möglichkeiten bleiben, wenn die Natur ihre Zähne zeigt...
Ich fliege übrigens gern, bin für Fortschritt auch techn. ... aber ich glaube eben nicht, dass alles "planbar" ist ...

12
Apr
2010

Zwiespältiges

Ich brauche Worte weil ich zerrissen bin, füge sie zusammen, um in Sätzen Zusammenhänge zu erkennen, mich daran festzuhalten ... spreche, um zu verstehen ... lese, um mich zu spiegeln
schreibe, um mich zu spüren ... Schreiben ist Leben.
Ist Leben Schreiben?

11
Apr
2010

Lenz 2010

Wie sollten diese kalten Tage
halten, was der Lenz verspricht?
Alltägliches Entsetzen über Kriege,
Mitleiden ohne Grenzen - fehlt
diesem nicht schon längst Gesicht?

Wie flink ist Blütengarn gesponnen,
Gespinst um Vaterland und Ehre,
mit Neubeginn, Narzissenduft,
Worte beteuert und zerronnen …

Was kann die Geister spalten -
zunichte machen Schöngeschwätz -
das Leben menschlich, neu gestalten?

©GJ20100411

4
Apr
2010

Ostern 2010

Noch fließt der Strom zwar grau dahin
und Wiesen laden nicht zu lagern.
Wie leicht die Schritte und mein Sinn,
ballastbefreit nach vorne streben.

Die Tulpen trotzen letztem Frost,
schon duften frühe Veilchen,
doch bis zum ersten Sonnenbad
da dauerts noch ein Weilchen.

©GJ 20100404
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