11
Jul
2010

Bikini?

Es war in einem Schub gekommen. Anders konnte sie es sich nicht erklären. Sicher, es ging ihr nicht gut. Der Arzt hatte festgestellt, dass sie irgendeine Infektion durchgemacht hatte. Aber das allein war es nicht.
Die Sonne schien wunderbar aber die Stones sangen „Paint it black“.
Eine beginnende Depression schloss sie aus, damit hatte sie ausreichend Erfahrung gesammelt und gelernt sich nicht in dieses Jammertal hineinziehen zu lassen. Sie wusste, wie sie damit umzugehen hatte. Also, was war los? Der Arzt hatte auch auf eines der inneren Organe hingewiesen und gesagt, dass weitere Untersuchungen notwendig seien.

Sie betrachtete sich im Spiegel, das Gesicht hatte so einige Falten mehr bekommen im letzten Jahr, aber war das ein Wunder in ihrem Alter? Auch die Trauer um Vergangenes hinterlässt Spuren, denen sie aber gerade jetzt nicht auch noch nachspüren mochte. In den Garten wollte sie, die Wärme, die alle solange vermisst hatten nutzen.

War es warm genug für den Bikini? Sie zog sich aus und besah ihren Körper. Erst von vorn, das ging. Von der Seite sah das schon nicht mehr ganz so gut aus, mutig drehte sich vor dem dreiteiligen Spiegel. Der Rücken, na ja, der war schön glatt und vorgebräunt, aber die hängenden Hautwellen weiter unten, seitlich über den Rippen, da wo einst alles waagerecht und straff saß. Ob sie die noch einmal wegbekam, vielleicht mit viel Disziplin, Joggen oder Walken? Oder wurden diese unschönen Hängepartien nun ein Teil ihres Körpers?

Weshalb sollte es ihr da anders gehen, als den meisten Frauen, bei denen dieser Prozess, sie war eine unerbittliche Beobachterin solcher Prozesse an sich und anderen, meist zehn Jahre früher eingesetzt hatte.
Sie nahm sich heute so anders wahr als noch gestern, ganz so, als ob diese Veränderung, nein der Alterungsprozess, sozusagen über Nacht eingesetzt habe.
Ihr Verstand funkte dem Bauch: Blödsinn, du hast nur lange nicht deine Rückseite betrachtet, finde dich ab.
Sie beschloss, den Bikini anzuziehen.

©GJ20100711

29
Jun
2010

I

Monte Rotondo
Nachtstille tropft
aus dem Junihimmel

©GJ2007


... diese Stille wünsche ich mir für heute Nacht ...

14
Jun
2010

Sommer ...

... heute war ich im Garten ... nein eigentlich war ich in der Toskana, nahe Arezzo, in einem verwilderten Garten und in einem verfallenen Haus ohne Fenster. Am Brunnen habe ich getrunken und mich dort gewaschen, später auf der Piazza einen Cappuccino getrunken ;-)
Für mich ist "Selina" von Walter Kappacher das Urlaubs- und Sommerbuch. Gerade richtig um mich abzulenken und tagtäumen zu lassen.
Es gefällt mir einfach, so dazuliegen zu dösen und in Gedanken zu reisen ...

8
Jun
2010

Lesen

Gestern ist von den bestellten Büchern wenigstens schon Mal „Herzzeit“ eingetroffen.Es beinhaltet im Wesentlichen den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan.
Berührend, es fällt schwer, sich von diesem Ringen (was mir so bekannt vorkommt) nicht gefangen nehmen zu lassen.

Gerade jetzt wollte ich dieses Buch lesen, weil es eines auf dem Markt gibt, welches möglicherweise auch die Liebe zwischen Bachmann und Celan in einem anderen Licht erscheinen lässt. Celans Kreidestern: Ein Bericht. Mit Briefen und anderen unveröffentlichten Dokumenten von Brigitta Eisenreich.

Sätze von Bachmann wie: "Dein Schweigen war sicher ein anderes als meines", "Erinnerst du dich noch an unsere ersten Telefongespräche? Mich hielt immer etwas erstickt, ein Gefühl ...", "... vielleicht wollte ich damit nur sehen, ob dir noch an mir liegt, nicht überlegt, eher unbewusst" usw.," oder von Celan: "Dieses Leben scheint nur aus Versäumnissen gemacht, und man tut vielleicht besser daran, nicht allzu viel daran herumzurätseln, sonst geht kein Wort von der Stelle."
gehen unter die Haut.

Da ist einerseits die Liebe sowie das "Nicht-Leben-Können" derselben, bzw. nur die zeitlich begrenzte Wiederkehr gemeinsamer Tage, und andererseits gibt es Missverständnisse, die sich nicht durch Briefeschreiben klären lassen, Misstrauen, immer mit Zuneigung und immer wieder die Hoffnung, die oft genug an Worten erstickt.



dickicht


hattest du mich je im blick?
end fernt
beobachte ich mich
durch deine augen
prüfe unergründliches
wage abzuschätzen
lasse die schwäche noch
nicht über die schwelle

©GJ20100608

7
Jun
2010

Weite Enge

Der Raum, in den kein Wort mehr fällt, dehnt sich unendlich.

mich sicher wähnen
im vergessen
ist illusion
brichst du wunderwas
jählings in meinen Tag
ist nichts überwunden

©GJ20100603

Sie ahnte mehr als sie wissen konnte, wie es sich anfühlt, wenn eine lebensbedrohliche Erkrankung hohe Wahrscheinlichkeit ist. Nun also sie. Kein Krebs. Das verwunderte sie nicht, dennoch etwas hatte sie getroffen. Obwohl, es gab noch eine geringe Chance. Die nächste Untersuchung würde es zeigen. Viel Hoffnung, dass alles harmlos sei, hatte ihr der Arzt nicht gemacht. Besser so, sie sah den Dingen lieber ins Auge. Einen neuen Duft würde sie sich leisten, einen, der mit nichts belastet war. Er würde zwar mit dem Einen zu tun haben, aber intensiver nach Sommer und Frische riechen müssen.

30
Mai
2010

Bildersuche

Der Schmerz: Ein Myzel aus Sehnsucht und Sentimentalität.
Es ließ sich nicht beseitigen. Eine Pfahlwurzel (allen Übels?), die mitsamt Stumpf und Stiel und vor allem mit einem Ruck hätte herausgezogen werden können, gab es nicht.
Den trügerisch-zarten Keimlingen eines Schmarotzers ähnlich, die überall Halt und Nährboden finden, dehnten sich die Verästelungen aus und hakten sich fest.

©GJ2010

22
Mai
2010

Museumsuferfest 2010

Museumsuferfest 2010


Ich gebe das hier bekannt, weil man sich für Lesungen noch bewerben kann.
Bevorzugt werden Mitglieder der LIT und des VS, ich will aber nicht ausschließen, dass auch "Fremde" ein Chance haben.
Leseprobe bitte an eine der unter dem Link befindlichen Mailadressen, sofern ich nicht schon Texte kenne.

20
Mai
2010

Unverhoffte Lesezeit ...

… habe ich, wenngleich ich auf den Anlass, diesen scheußlichen Infekt, gern verzichtet hätte. Immerhin, der Kopf war für eine leichte Lektüre frei und so konnte ich, weil mir nämlich "Der Koch" von Martin Suter als gebundene Ausgabe zu teuer war, auf seinen auch als Taschenbuch erschienenen Roman aus der Welt der Kunst- und anderer Zocker, "Der letzte Weynfeldt" zurückgreifen, den ich mir vor einiger Zeit besorgt hatte.

In der Welt der Kunst fühle ich mich als Betrachterin und Genießerin zu Hause. Was sich aber in diesem Buch, das Suter mit leichter Feder geschrieben hat, für Abgründe auftun, möchte man eigentlich lieber nicht glauben müssen. Dennoch, oder gerade deshalb fühlte ich mich nach der Hälfte des Lesestoffs, endgültig in diesen Sog aus Kunst und Betrug, Völlerei und Abgrund, Millionenbeträgen und falschen Schuldscheinen hineingezogen, das Ganze mit garniert einer Liebesromanze, die mehr ist als Beiwerk und nur ganz entfernt an den Film, "Pretty Woman" und dessen viele Vorlagen erinnert. Suter schafft es, dass man sein Werk nicht in die Klischee-Schublade steckt, sondern erfrischt durch die Lektüre, die gegen das Ende zusehends ironischer und humorvoller wird, gern wieder zu einem seiner Bücher greifen wird.

Muss mir endlich den Film: "Julias Verschwinden" ansehen, zu diesem hat Suter das Drehbuch verfasst.
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aufgefaltet

silben worte sätze

Mein Lesestoff


Siri Hustvedt
Was ich liebte



Roger Willemsen
Die Enden der Welt


Andreas Maier
Das Haus


Andreas Maier
Das Zimmer



Martin Suter
Die Zeit, die Zeit



Tomas Tranströmer
Sämtliche Gedichte

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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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