29
Sep
2010

ernstfall

im unterirdischen
überleben eingerichtet
diszipliniert nach regeln
der alltag strukturiert
systematisch die abläufe
die helfen sollen
angst & zorn zu zügeln
fragen im zaum zu halten
bis nach der rückkehr
ins irdische

©GJ20100927

10
Sep
2010

Klangkörper

Er lauscht. Konzentriert. Fährt sich mit der der linken Hand durch das pomadisierte Haar, das glatt nach hinten gekämmt ist. Dann klopft er mit dem Taktstock gegen das Pult.
„Wenn eine pianissimo steht geschrrieben, warum isch hörre dann keine?“
Sein Deutsch ist auch nach zwei Jahren als Generalmusikdirektor noch sehr spanisch gefärbt. Es verleiht aber dem, was er Orchester und Chor zu sagen hat Expressivität, eine gewisse Wucht und Bestimmtheit.
„Wiederrholen … und machen sie die Lippen zu, meine Damen und Herrren, ich will die pianissimo, nix piano, bitte sehrr …“. Die linke Hand geht jetzt hoch zu seinem Mund. Mit Zeigefinger und Daumen fasst er seine Lippen, um der Anweisung Nachdruck zu verleihen.

Stolz aufgerichtet, mit durchgedrücktem Rücken hat er etwas von einem Torero. Er strafft die Schultern, klopft erneut gegen das Pult, blättert die Seiten der Partitur zurück und hebt den Taktstock. Rascheln im Orchester im Chor, dann Stille, Auftakt. Die Streicher entwickeln das Thema des Kyrie. Silbrig hell und zart. Beim Einsatz des Chores singt er mit, rollt beim „requiem aeternam“ das „R“: Das „E“ gurgelt aus seinem Mund wie ein „Ä“, schaurig und mitreißend zugleich. Er singt falsch. Niemanden irritiert das. Er führt, verführt benutzt. Die Sänger überlassen sich ihm.

©GJ20100910

4
Sep
2010

Mit einem lachenden ...

... und mit einem weinenden Auge ...
blicke ich auf das diesjährige Poets' Corner zurück.
Mit viel Liebe, Zeit und Einsatz von mir vorbereitet, war es mir nicht vergönnt, das Projekt selbst über die Bühne zu bringen.
Am 23. August erlitt ich völlig unerwartet einen Zusammenbruch auf Grund mehrerer Lungenembolien. Ich lebe gesund bewege mich genug, eine genetische Disposition wurde ausgeschlossen. Nun ja, ich werde sehen ... Mir geht es jetzt soweit gut mit der Antikoagulans Therapie.
Jedenfalls hieß das acht Tage strikte Bettruhe im Krankenhaus und war für mich das "Aus", für Poets' Corner.
Dass Poets' Corner dann doch über die Bühne ging ist einigen Mitgliedern des Vorstandes der Literaturgesellschaft Hessen e. V. und anderen freiwilligen Helfern zu verdanken.
Ich konnte am 24. August einigermaßen beruhigt alles delegieren und war dann trotz einer gewissen Traurigkeit nicht dabei gewesen zu sein sehr froh und glücklich, dass Poets’ Corner nicht ins Wasser gefallen ist. Obwohl ;-) … nass war es in diesem Jahr leider überflüssigerweise auch noch. Umso mehr ist der Einsatz jener Menschen zu würdigen, die aus dem Stand in meine Fußstapfen getreten sind.

Es ist alles gut verlaufen, wie ich aus "Mündlicher Überlieferung" ;-) erfuhr.

Dankeschön allen Beteiligten.



19
Aug
2010

Poets' Corner auf dem Museumsuferfest in Frankfurt am Main

Das Museumsuferfest in Frankfurt am Main findet in diesem Jahr am 27. bis 29. August statt.

Das POETS' CORNER - Stand der LIT und des VS

hat seinen Platz vor dem Museum Giersch, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt (Sachsenhäuser Ufer, Nähe Friedensbrücke)

Das Thema 2010


Sinngemäß sollen die Lesungen folgendem Zitat zuzuordnen sein:

Das Leben handelt nicht von Sonderangeboten“

Henning Mankell in „Die Italienischen Schuhe“

Das Thema dreht sich also um Krisen aller Art (Lebens-, Sinn-, Wirtschafts-, – in der Politik usw.), deren Bewältigung oder das Zerbrechen daran.

Verantwortlich für die Organisation: Gerda Jäger.

Programmablauf:

Freitag 27.08.2010

ab 15:00 Uhr Hör CDs der Autoren aus dem Stimmenarchiv der Stadt Frankfurt am Main und Musik


Samstag, 28.08.2010 ab 15:00 Uhr

Lesungen & Musikalische Umrahmung Rita Stein, Saxophon

Autoren lesen aus ihren Werken:

Eric Giebel aus Darmstadt

Anna Rinn-Schad/Neuhof i. d. Rhön

Ela Rojas/Frankfurt

Hanna Dunkel/Kriftel

und Barbara Höhfeld/ Frankfurt


Musikalischer Ausklang



Anschließend Publikumsdiskussion mit den Autoren





Samstag 20:30 Uhr

Konzert der Frankfurter Jazz-Sängerin Doro Ignatz

Am E-Piano: Mathias Schabow



Die Sängerin Doro Ignatz hat sich dem Jazz verschrieben, ist aber auch Soul und Blues sehr zugeneigt. Ausdrucksstarkes Soul Feeling und spritzige Jazzimprovisation, gehen einher mit kraftvoller Bluesröhre und softem Bossa Nova. Das multiple Talent erhielt bereits mit fünf Jahren Klavierunterricht, studierte aber später Kunsterziehung und widmete sich dem Tanz und der Schauspielerei. Dabei entdeckte sie ihre drei Oktaven umfassende Stimme und genoss eine breit gefächerte Gesangsausbildung. So liebt sie bis heute die Zusammenarbeit mit Künstlern anderer ART. Seit Jahren zeigt sich der Bühnenmensch Doro Ignatz, nun ganz als Sängerin. Sie steckt an mit überschäumender Lebensfreude, berührt. und hinterlässt eine bleibende Erinnerung.



Lesungen



Sonntag, 29.08.2010 ab 15:00 Uhr

Lesungen & Musikalische Umrahmung Rita Stein, Saxophon

Autoren lesen aus ihren Werken:

Walter Jauernich, Frankfurt

Evelyn Fomm, Frankfurt

Joachim Durrang, Frankfurt

Ewart Reder, Maintal

und Andreas Muncke, Frankfurt


Musikalischer Ausklang

Anschließend Publikumsdiskussion mit den Autoren


Während der Öffnungszeiten verkaufen wir auf Poets' Corner Bücher und CDs unserer Autoren.

Besucher können an einem kleinen Wettbewerb teilnehmen. Es geht darum, aus den Begriffen

M U S E U M S U F E R F E S T oder P O E T S’ C O R N E R

ein Akrostichon zu schreiben.

Teilnahmeblätter liegen aus.



Mitglieder des VS und der LIT sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

9
Aug
2010

Ich staune über die Kraft meiner Bilder im Städel, Ernst Ludwig Kirchner 1925


Besuch der Retrospektive in allerletzter Minute


Es war nicht so, als hätte ich nicht in der Vergangenheit bereits des Öfteren überlegt, mir spontan die Ausstellung im Städel anzusehen.
Dass es so auskam und ich erst am letzten Tag ganz bewusst und ausschließlich aus diesem Grund nach Frankfurt fuhr, war für mich selbst überraschend, stellte sich im Nachhinein aber als glückhafte Fügung dar. Das Wetter war wechselhaft, genau richtig um der Kunst drinnen zu frönen. …
Um die Mittagszeit kam ich an und konnte ohne, dass ich in einer Warteschlange hätte anstehen müssen (eine Stunde später sah das ganz anders aus) meine Eintrittskarte kaufen. Mich erfasste schon bald nach Betreten des zweiten Ausstellungsraumes – hier ein Kompliment den Kuratoren, was die Verteilung auf die sieben Räume• angeht - eine Stimmung, die mich in großen „Kunst-Momenten“ regelmäßig überfällt, eine „Suppe“ aus Betroffenheit und Rührung, der ich jetzt endlich mal einen Namen geben kann, mit „Kunst-Weh“ möchte ich meine Empfindungen bezeichnen, Da vermischen sich eigene –Betroffenheit mit dem, was der Maler vor langer Zeit in seinen Werken festgehalten, ja verarbeitet und verdichtet hat sowohl, als auch das Wissen um die Biographie Kirchners.
Ich muss mich setzen und die Tränen laufen lassen, eine Art Seelenüberlauf.

Beeindruckt, ich meine außergewöhnlich, über die anderen Kunstwerke hinaus, haben mich die folgenden.
„Das Akrobatenpaar“, sowohl als Gemälde als auch als Skulptur, „Die Handorgelspieler in der Mondnacht“, „Die Heuernte“, „Wintermondnacht“ (habe mir ein Mouse-Pad mit dem Aufdruck des KWs gekauft), dann einige der Selbstporträts auch der Doppel P. mit Erna, und die Königsteiner Gemälde und die Frankfurter Bilder … und, und, und …
Mir hat sich gestern das Lebenswerk eines Malers erschlossen, von dem ich vorher viel zu wenig wusste, als dass ich mir eine Meinung hätte bilden können.

… und wieder einmal mehr war auf die Kunst Verlass, sie beglückt.
• •Ernst Ludwig Kirchner. Eine Ausstellung im Städel Museum.
Kirchner in Dresden.Auf der Suche nach der Form
Kirchner in Berlin. Von der Faszination der Straße
Kirchner in Königstein. von den Folgen des Krieges
Kirchner in Davos. Jahre der Beruhigung
Kirchner in Deutschland. Eine Reise in die alte Heimat.
Kirchner in Davos. Die späte Verzweiflung

2
Aug
2010

Ausschnitt = Einschnitt

"... pompom-dalien nicken zustimmend
don’t answer me
times are the same
but I have changed so much"

©GJ20100801

Ein zweiter Sommerzyklus drängt ans Licht

25
Jul
2010

Women without men

Der Film spielt in den 50ziger Jahren zurzeit der Machtergreifung des Schah Reza Pahlevi.

Die Dekadenz in Teilen der feinen Gesellschaft wird ebenso ins Bild gerückt, wie die Demonstrationen der Widerstandsbewegung

Ein poetischer, ja warmer, bildreicher (Analogien) Film, der mich sehr fasziniert hat und dennoch ein wenig ratlos zurücklässt, was nicht unbedingt das Schlechteste ist.
Ein Meisterwerk der Filmkunst und der Fotografie! Wahrhaftig, zu Recht ausgezeichnet. (Silberner Löwe Venedig 2009).
Von seiner Botschaft allerdings, rührt (m)eine gewisse Ambivalenz her.
Das soll heißen diese (Botschaft) ist vielschattig. Es ist allerdings auch nicht verwunderlich, dass der Film nicht schwerwiegenderes und vor allem mehr emanzipatorisches Material verarbeitet, als dass

• eine der Protagonistinnen Flugblätter der Oppositionellen im damaligen Persien verteilt,
• eine andere ein Haus kauft,
• die dritte aus dem der Prostitution aussteigt und
• die vierte Frau (eigentlich ein zartes Mädchen) eine Heirat ausschlägt.

Das war für die damaligen Verhältnisse, wie sie in Persien herrschten wohl schon sehr viel. Da darf es nicht wundern, dass die Vergewaltigungen, die das „Mädchen“ über sich hat ergehen lassen müssen, eben doch verschwiegen werden, ganz der Tradition des Islam verschrieben. (Leider kann ich die Personen, die unterschiedlicher nicht eine könnten nicht anhand ihrer Filmnamen oder Schauspielernamen unterscheiden). Die Charaktere waren gut gezeichnet. Gestik und Mimik Spitze. Der Film wirkt nach! Und das ist eine Menge …

Mein derzeitiges Motto:

Vergehen


Wie leicht der Atem in meine Mitte geht,
ich flieg dahin auf einem Traumpfad nur.
Es ist, als könnte ich mich lösen -
gewesen sein
dann im Vergehen ohne Spur
©GJ 2007

20
Jul
2010

Igelnächte

Wenn der Sonnenstand ab Juli abnimmt, der zarte Wind in den Nächten etwas auffrischt, nenne ich jene Nächte: Igelnächte. Einmal, weil ich mich gern daran erinnere, dass mein Vater, als ich etwa 10 Jahre alt war, mir in einer solchen Sommernacht einen Igel ans Bett brachte, nur um mir das nachtaktive Tier zu zeigen. Zum anderen, weil diese possierlichen Tiere bei zunehmendem Mond, mit ihrem Rascheln, Schnauben, Scharren und Bellen späte Spaziergänger in den Kleingärten, Parks und Friedhofsanlagen überraschen.
Ein wenig sentimental werde ich, als ich heute Abend den Igel sehe, der versucht durch einen Zaun in ein Versteck zu gelangen. Ich schnalze mit der Zunge, als könne ich beruhigend auf ihn wirken. Lächerlich. Ruhigen Schritts gehe ich weiter. So kann der Igel kehrt machen und auf der anderen Seite des Gartenwegs Unterschlupf finden.
Die Erinnerung wärmt mir zu Hause den Tee.

©GJ20100720
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aufgefaltet

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Mein Lesestoff


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Was ich liebte



Roger Willemsen
Die Enden der Welt


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Das Haus


Andreas Maier
Das Zimmer



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Die Zeit, die Zeit



Tomas Tranströmer
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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