30
Jan
2011

Vom Verschwinden 2

Meist jedoch verschanzte er sich hinter seinem PC, wo er insbesondere dann immer kleiner wurde, wenn sein Chef hereinkam, obwohl dieser zu klopfen pflegte. Unter den Achseln wurde Benno feucht und der Blick seines Chefs ging über ihn hinweg und manchmal, es war geradezu beängstigend durch ihn hindurch. Also sah Herr Jott dass Benno schrumpfte, denn vor gar nicht so langer Zeit waren sich ihre Blicke fest begegnet. Es gab Tage, aber diese wurden seltener, an denen Herr Jott etwas von ihm wollte. Dann holte er irgendeine Vertragsunterlage aus dem Ordner, den Benno zu hüten hatte, früher waren es mal Hunderte gewesen und ging grußlos hinaus. Benno hatte den Verdacht, dass er an solchen Tagen für Herrn Jott bereits unsichtbar geworden war.

29
Jan
2011

Vom Verschwinden

Benno hatte noch nicht verlernt über seinen Schatten zu springen, aber festgestellt, dass er keinen Abdruck mehr hinterließ. Irgendwann würde selbst das Springen, das er an Sonnentagen auf dem Fußweg von der U-Bahn bis zur Arbeitsstelle übte, zum unüberwindbaren Hindernis, aber bis es soweit sein würde, verblieb vielleicht noch etwas Zeit. Jedenfalls glaubte er das manchmal, wenn er klar war, im Kopf. Klar wie ein Wintermorgen bei Frost und einem Hoch von Ost ...

Fortsetzung folgt

26
Jan
2011

Gutgläubig oder naiv?

Gestern, teilte der Chef ihr mit, dass ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert wird. An der Leistung läge es nicht. Er erzählte etwas von Umstrukturierung et cetera pp.
Es war nicht abzusehen, dass ihr Zweijahresvertrag nicht verlängert werden würde, hatte man ihr doch ganz anderes versichert ... Durfte sie aus dem Gleichgewicht geraten? Verdammt, es kratzte am Selbstwertgefühl und das Wasser schoss ihr in letzter Zeit ohnehin schnell in die Augen.
Die schönen, verheißungsvollen Worte klangen in ihren Ohren besonders heftig nach: "Neue Stelle geschaffen, wir arbeiten sie hier nicht ein, damit sie nach 2 Jahren wieder gehen und blabla ...“.

Aber so ist das nun mal, die Vorteile ihrer Anstellung als ältere Arbeitnehmerin, das heißt den Zuschuss (50%!) zum Gehalt, den hatte man gern mitgenommen, insofern war sie für die AWO eine billige Arbeitskraft ... völlig unerheblich, dass sie sich ein Bein ausgerissen hatte ...

… und dennoch ist da eine Stimme die beschwichtigt, an das Gute, das Uneigennützige im Menschen weiterhin zu glauben, auch im Kapitalismus. Gegen diese sich die andere Stimme, die laut gegen die Ungerechtigkeit protestieren möchte, nicht wirklich durchsetzen kann, weil die Kraft fehlt. Warum sind „Lohnabhängige“ bloß eine so geduldige Herde?

Wieder in die Bewerbungstretmühle zu müssen …
Sie war es müde.

23
Jan
2011

Abgebrüht

Gehäutet glänzt du sonnengelb,
versprichst mit deiner Farbe, deinem Saft,
tatsächlich mehr als deine weiße Variante,
die dennoch feiner, das stärkere Aroma hat.

So abgebrüht trotz zarter Hülle,
bist du die Frucht, die Eva,
gewiss dem Apfel vorgezogen hätte

bringst uns Genuss in reicher Fülle.

©GJ2011
(Themengedicht, "Obst")

10
Jan
2011

2. Januar 2011

eine schaufel / nicht für den schnee
sondern gedankenmüll hinauszuwerfen
platz zu schaffen fürs schauen / inneraugs
nach vorn

"herzschaufel" ist nicht mehr frei
bleibe
wiege dich
lass den atem schaukeln
er findet den weg geradeaus
hast du ein taschentuch?



sinnfreie besinnung ist sinnlos
sinnhaftes end sinnen haltlos

8
Nov
2010

làir du temps

unablässig bewegen sich die ströme / der schacht schluckt einseitig und spuckt parallel dazu aus / menschen unterwegs / zu irgendwelchen zielen / treibholz ich / mittendrin / ringsum verschlissene luft / von massen die atmen und lärmen / angst fortgeschwemmt zu werden / in diesem tosen zu ersticken / versuche mich einzureihen / kalter schweiß wechselt ab mit hitzewellen / werde nach oben geschoben ans licht / suche ein stück himmel / vergeblich / das blau ändert nichts / tief und gleichmäßig durchatmen musst du / leite ich mich an / ruhe bewahren / mehr kannst du nicht tun / ich möchte schreien / tonlose laute ringen mit der trockenheit auf der zunge / den stimmbändern / beklemmung / zementne starre / zerre den schal vom hals / frösteln erfasst mich / wohin soll ich mit mir

©GJ20101108

22
Okt
2010

Wenigstens

Die Luft ist eine neblige Brühe. Sie wabert und lässt die Umgebung verschwimmen. Das Rot der Rücklichter langsam vorbeifahrender Autos schwindet nach einigen Metern bereits aus dem Blick. Die Scheinwerfer der wenigen entgegenkommenden blenden. Sobald die Fahrgeräusche verebben, ist die nasse Stille hörbar mit jedem Tropfen, der von den braun gewordenen Blättern der alten Kastanien perlt. Das Licht der Laternen entlang des Gehwegs schimmert matt, erreicht kaum die Erde.
Diese Zeit macht müde, nimmt dem Leben das Tempo, stellt Milchglasscheiben auf, taugt nicht für einen Neubeginn. Sie kleidet dich aus mit der Traurigkeit von Jahren. Jedes einzelne hat immer wiederkehrend Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchlebt. Pausenlos. Du fühlst dich abgeschlagen, niedergerungen. Gedanken kommen zwangsläufig, sind bizarr und lästig zugleich. Du bist zu einsam um allein zu sein. (Selbst die Bäume stehen paarweise). Du gehst wie durch lockere Watte ohne Eile. Riechst, als du an der leeren Koppel bist noch die Tiere. Meinst gar ihren Atem dampfen zu sehen, so sehr sehnst du Wärme herbei.

Wenigstens hat sie dir die Katze gelassen.

©GJ20101012

4
Okt
2010

vergehen VIII

nichts ist mehr (gut) wie es war
sicherheit gab es zwar nie/doch
unsicherheit als status quo
ohne übergang
die selbstwahrnehmung verloren
schwammiges haltsuchen im ungewissen
sichspüren im niederschreiben von banalitäten ...

©GJ20101004
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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