17
Feb
2011

wenn ich nicht im ungefähren erstarren würde

es hängt am seidenen faden / der längst aus synthetik
sich schinden um berge zu bezwingen
um wie viel einfacher das brüchige band_
(das nie eine haltenden hand )
zu durchtrennen / uferlose enge weite

oder prinzip sisyphos
von der talsohle herauf / bis an den fuß des berges
wieder hinab / jedes mal mühsamer_ (das schnüren der stiefel)
das emporklimmen / schwerer der rucksack (den es zu schultern gilt)
der atem geht stockend / klemmt im zwerchfell fest_
fehlt in der lunge bekemmend
die gleichen schritte und abläufe / struktur für den tag
um am überwinden zu scheitern

glimmen am fuße des berges / hoffnungsschimmer_
unerreichbar / beim erneuten abrutschen verblassen sie
angst aus selbstzweifeln genährt
ihr müsste der mutterboden entzogen werden
oder der not einen knüppel zwischen die krummen beine ...

©GJ2011

10
Feb
2011

Vom Verschwinden VII

Es gab Tage und so einer war heute, an denen es überhaupt nicht hell wurde.
Die Nebenwelten, wie er das Geschehen nannte, welches parallel zu seinem Leben ablief, beunruhigten ihn an solchen Tagen weniger als sonst. Allerdings wusste Benno abends nie, ob er überhaupt im Büro gewesen war, geschweige denn ob er Herrn Jott gesehen hatte. Hing es damit zusammen, dass ein solcher Nebeltag seine Gedanken in Milchsuppe tauchte? Benno versuchte sich im Analysieren und Reflektieren seines Verhaltens und der damit verbundenen Empfindungen auch in Bezug auf Herrn Jott. Befriedigend, fand er keinen Gedanken. Möglicherweise war es sein eigenes Unsichtbarwerden, weshalb er es nicht fertigbrachte, einen solchen Tag zu rekonstruieren.
Benno machte einen Spaziergang vor dem Schlafengehen und kam zufällig an seinem Elternhaus vorbei, aus dem er vor Jahren ausgezogen war. Hans-Günter regelte die die Hauserwaltung. Sein Bruder! Benno wunderte sich, wie jedes Mal wenn er Hans Günter denken musste, dass ihm sogleich diese alte Kompostgeschichte einfiel.

7
Feb
2011

„Allmen und die Libellen“ von Martin Suter

Eine Schwäche für Bücher zu haben ist das Eine, aber sie sollten möglichst klein handlich sein, das wäre das Andere und gut dazu taugen, dass ich immer eines bei mir haben kann.
So haben mich die Bücher jenes Verlages, der den Namen eines griechischen Philosophen trägt, nicht enttäuscht. Sei es um gut unterhalten zu werden, oder darüber hinaus auch noch etwas Spannendes zu lesen und ich halte sie einfach gern in der Hand.

So habe ich den neuen Suter „Allmen und die Libellen“ auch mit Vergnügen gelesen. Wer leichte, aber keine seichte Unterhaltung sucht, bitte sehr. Sprachlich ein Vergnügen, versteht sich Suter überdies auf eine abwechslungsreiche Bildsprache.
Zwar fehlt mir an diesem Roman einiges, was ich aus Suters anderen Büchern, die ich gelesen habe zu schätzen weiß, aber nicht jedes Buch kann immer allererste Sahne sein.
Auf jeden Fall wird man diesen Roman, der eine Hommage an Serienkrimis ist mit einem vergnüglichen Lächeln lesen, nicht ohne mit dem Protagonisten, der eigentlich so gar nicht in die Jetztzeit zu passen scheint mitzufiebern, obgleich sich dieser ganz und gar nicht gesetzestreu verhält.

6
Feb
2011

Vom Verschwinden VI

Wie oft hatte er sich als Kind schon vorgestellt einfach nicht mehr da zu sein. Wenn er niemanden sah, so hatte er damals noch geglaubt, dass auch er nicht gesehen würde. Aber bald hatte er bemerkt, dass das Kinderkram war, und nicht stimmte, denn als er seinem kleinen Bruder mal den Kopf in den Komposthaufen gedrückt hatte um zu schauen, ob Horst-Günter verschwand, hatte Benno festgestellt, dass er ihn noch immer sah und nicht nur das … . Seine Mutter kam angerannt und brüllte was das Zeug hielt auf Benno ein, während sie Horst-Günter beruhigte und tröstete. Wie dumm von ihr dachte Benno, sie verstand nicht, dass er etwas Wichtiges ausprobiert hatte.
Einige Zeit nach diesem Vorfall, erinnerte Benno sich, war sein Mutter dann verschwunden. das fand Benno sehr schade, denn Mutter war im Grunde doch sehr nett zu ihm gewesen.
Nie nicht hatte Benno sie wieder gesehen, Dabei hatte sie bei ihrer letzten Begegnung so fröhlich ausgesehen, wollte nur zum Markt. Tja, man war nirgends mehr sicher heutzutage, überall konnte man verschwinden, wie die Tauben.

5
Feb
2011

„Zu zweit ist man weniger allein“

Heute mal nichts vom "Verschwinden" ...


„Zu zweit ist man weniger allein“


Im Rücken Musik von Strawinsky,
im Bauch die Sehnsucht nach dir.

Fifty/fifty
sagst du, Winterschlussverkauf
überall fünfzig Prozent.

Ich nehme dich ganz.

©GJ20110203

4
Feb
2011

Vom Verschwinden, die Fünfte

Es würden sich ihm ungeahnte Möglichkeiten auftun, wenn er erst unsichtbar war. Er, der langsam zu verschwinden drohte, konnte selbst Dinge, ja vielleicht Menschen verschwinden lassen, ohne dabei beobachtet zu werden. Auf diese Art war dann auch etwas Abwechslung in sein ehemals eintöniges Leben gekommen. Mit den Tauben hatte alles angefangen und er liebte sie immer noch, obgleich er auch ein wenig traurig wurde, wenn er zur Kenntnis nehmen musste, dass Tauben neuerdings weniger zahlreich in seiner direkten Umgebung anzutreffen waren.
Herr Jott hatte mal erwähnt, dass die Tauben systematisch ausgerottet werden sollten, diese „Flugratten“, wie Herr Jott sie genannt hatte. Aber das glaubte Benno nicht. Allerdings hatte er auch nicht den Mut, bei der Stadtverwaltung anzurufen und so dachte er eigentlich nur noch ganz selten darüber nach und besuchte häufiger auf seinen Spaziergängen auch andere Stadtteile.

3
Feb
2011

Vom Verschwinden Teil IV

Benno fütterte gern Tauben, gerade weil das Füttern verboten war. Es machte den Reiz für ihn aus: Verbotenes tun und dabei nicht gesehen werden.
Renate hatte sich vor langer Zeit, so schien es, von ihm getrennt. Jedenfalls hatte sie gesagt, sie möge nicht mehr zusehen. Renate hatte ihn beobachtet, zu einer Zeit, während der er ständig sichtbar gewesen sein musste. Es war nicht so, als habe er nicht aufgepasst, sich nicht zu verstecken gesucht. Aber jetzt gab es einen einschneidenden Unterschied zu damals, fühlte er sich doch zwischenzeitlich sicher ohne sich überhaupt verstecken zu müssen. Seine Schwäche, denn das musste er sich eingestehen, würde sich auf Dauer in eine unglaubliche Stärke verwandeln. Denn wirklich beängstigend, trotz der Schweißausbrüche, die ihn überfielen, fand Benno sein zeitweiliges Verschwinden nicht. Solange er seinen Körper spürte, Denken konnte, zur Arbeit fuhr, Spazieren ging und Tauben fütterte, ab und zu einen Film sah, ja solange er seinen Schweiß roch existierte er noch.

2
Feb
2011

Vom Verschwinden III

Er prüfte, wenn auch selten, ob er sich an jenen Tagen noch im Spiegel sehen konnte. Es beruhigte ihn zwar nicht was er sah, aber doch, dass er offenbar noch existierte.
Manchmal machte Benno auf dem Rückweg von der Arbeit in der U-Bahn den Versuch, redete sich ein es sei Spiel, einem der Alten, die zuhauf zustiegen seinen Sitzplatz anzubieten. Es war schon passiert, dass eine angesprochen Frau sich ihm auf den Schoß gesetzt hatte und nicht wieder aufgesprungen war. Also hatte sie ihn nicht gespürt.

Der Schneefall über Nacht brachte Ordnung in Bennos Welt, ließ der Schnee doch so manches verschwinden. Auch Dinge, die Benno nicht gern sah oder an die er nicht erinnert werden wollte. Da war die tote Taube direkt vor dem Ausgang, in der Gosse. Gestern hatte er die Einzelgängerin noch gefüttert, sie war zu zutraulich gewesen, zu nahe gekommen, konnte ja nicht wissen, dass es gefährlich werden konnte, dumme Taube. Jetzt war sie tot, unterm Schnee begraben. Unsichtbar. Aber er wusste, wo sie lag. er lief etwas schneller als sonst zu U-Bahn, heute grüßten ihn die Menschen, denen er begegnete.
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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