9
Apr
2011

Lügen über meinen Vater II

Ich bin von mir enttäuscht.
Wie kann es sein, dass ich ein von Kritikerinnen (Felicitas von Lovenberg und
Sigrid Löffler, um zwei wichtige Namen zu nennen), hochgelobtes Buch auf Seite 66 immer noch nur durchschnittlich für mich ist? Ich vermisse die „Alttestamentarische Wucht und Gewalt“, die genannt wurde, um dem Werk eine herausragenden Stellung unter den Neuerscheinungen des Frühjahrs, ja unter den Vater-Sohn-Beziehungs-Werken zu attestieren.
Darüber hinaus wird John Burnside gar als einer der wichtigsten Autoren des angelsächsischen Sprachraums, wenn nicht der Gegenwart überhaupt, bezeichnet.

Bisher erschöpft sich der Roman in allzu Bekanntem – ein weiterer Vater/Sohn Konflikt, allerdings ein anderer als beispielsweise bei Arno Geiger. Schauplatz ist das Arbeiter-Milieu Schottlands in den 60zigern. Der Vater Alkoholiker und Spieler.
Die Geschichte kommt nicht in Gang, verliert sich im Allgemeinen, sodass ich nach den gelesenen Seiten immer noch nicht wirklich weiß, was ich gelesen habe.
Es fällt mir ein, dass ich irgendwo las, „John Burnside hätte besser daran getan bei der Lyrik zu bleiben“, aber ob da etwas dran ist, will und werde ich selbst erfahren. Der neuste Band „Versuch über das Licht“ ist bestellt. Zweisprachig!

Die Originalfassung „A Lie About My Father“, wurde 2006 publiziert. Die deutsche Übersetzung (Bernhard Robben) des Buches liegt druckfrisch bei Knaus vor.

Nun gut, auch Kritikerinnen können irren und ich werde es natürlich zu Ende lesen, zumal ich einen Ausschnitt anlässlich der Lesung John Burnsides in Frankfurt am Main, vom Autor selbst gelesen noch eindrucksvoll in Erinnerung habe. Ebenso die beiden Poems, die er las. Voller Lebendigkeit und Kraft!
Vielleicht ist also das Werk in der Originalsprache sehr viel „wuchtiger“, authentischer und besser, als der hoch gelobte Bernhard Robben, es bei der Übersetzung hinbekommen hat.
Die erste Unstimmigkeit befindet sich gleich im Titel: "A Lie ..." im Englischen und in der Übersetzung das eher schlappe "Lügen..."
Möglich, das da der Hase grundsätzlich im Pfeffer liegt, mal sehen, ob ich noch Lust habe, das englischsprachige Werk zu lesen.

Wenn ich den Roman durchhabe – er liest sich auch nicht flüssig – melde ich mich abschließend.

Gespannt, sehr sogar bin ich auf die Lyrik, besonders im Original.

Nachtrag am 20.05.2011

Heute erst, melde ich mich hier noch einmal.
Ich habe lange gebraucht, dieses für mich schwer lesbare und -verdauliche Buch zu Ende zu lesen.
Nun kann ich sagen, es ist lesenswert, ja.
Zum richtigen Zeitpunkt vermutlich, den es für mich jedenfalls für das jeweilige Buch braucht.
Bei diesem hier, war es offenbar ein nicht gut gewählter.
Ich habe parallel zwei andere Bücher während dieser Zeit der Beschäftigung mit „Lügen über meine Vater“, gelesen, davon eines aus-.
Burnside fesselte mich nicht so, wie ich es nach den Lobliedern erwartet hätte.
Dafür kann ich seine Lyrik um so mehr empfehlen.

6
Apr
2011

Lügen über meinen Vater

Zu der Veranstaltung gestern Abend:
John Burnside stellte auf Grund seiner Lebendigkeit und Kommunikationsfreude, der authentischen Art vorzulesen, den deutschen Vorleser, Peter Heusch, eindeutig ins Abseits.
Großartig Felicitas’ von Lovenbergs Moderation. Neudeutsch würde man sagen: Vollwach!
Dennoch hielt sie sich dezent zurück. Das war Klasse.
Mit einem passenden Sprecher für Burnsides Prosa und Lyrik (die ich stärker finde als seine Memoirs), wäre der Abend nicht nur zu 90 % gelungen gewesen, sondern zu 100 %.
Ich verstehe ohnehin nicht weshalb Herr Heusch überall mit der Nase dabei sein muss … Da wäre ein Felix von Manteuffel, ganz sicher die weitaus bessere Wahl gewesen.

Aber ich freue mich darüber John Burnside erlebt zu haben und besonders darauf seine Gedichte zu lesen.

5
Apr
2011

Lebens-Fragen

um jeden preis am leben sein und_
bleiben nur um des lebens willen

worte treiben blüten
ich sollt’ mich hüten


alleine dasein heißt nicht leben
den anspruch reduzieren
bedeutet qualität verlieren

bereit auf dinge zu verzichten
verändert die basis - ichverwirrt
wie schaffe ich’s mich einzurichten


©GJ20110405

2
Apr
2011

25. März zehnuhrzehn

Geradewegs ins Instabile folgt die nächste Implosion, weder aufzuhalten noch einzudämmen.
Neueste Erkenntnisse, ein Gen? Untersuchungen dauern an. Ergebnisse lassen noch auf sich warten.
Bisherige Diagnose: „Keine bekannten angeborenen oder erworbenen Risikofaktoren“.

14
Mrz
2011

gegenwärtig

es schaut mager aus / wiewohl fülle vorhanden_des keimens nicht müde_treibt und treibt / dazu_ein sirren und surren_das schnurren der räder / die byker sind wieder unterwegs
auch wir fuhren aus im märz / war das ein tanz_dahin / dahin
jetzt macht die zukunft diät
speckt ab / verschreckt / verdreckt / verreckt

©GJ20110314

5
Mrz
2011

La Primavera

Noch grau fließt der Strom -
und doch wird es Frühling!
Die Luft geht schwanger mit feuchtem Duft,
trägt manche Ahnung zur Nase, ans Ohr.
Tulpen ertrotzen sich keck ihre Farbe und
„Veilchen träumen schon“ …

27
Feb
2011

wortlos

silben streuseln
streunen herum
zerstreuen sich wieder
in einzelne buchstaben
legen sich quer und können
mich kreuzweise

©GJ201102

20
Feb
2011

Vom Verschwinden VIII

Als Benno vor vielen Jahren die lebenslustige Renate kennen lernte, da färbte auch etwas von ihrem Temperament auf ihn ab. Er hatte sich schon öfter gefragt, wie lange sie sich eigentlich kannten. Benno war es, als ob sie beide noch Kinder gewesen waren und fand es merkwürdig wie die Zeit alles verwischte.
Damals begann ihm das Tanzen Freude zu machen und wenn Renate, die gern Klavier spielte dazu für ihn sang, hatte das seine Stimmung gehoben. Oh ja, das war eine gute Zeit gewesen, ohne Büro, ohne Herrn Jott, nur für und mit Renate.
Kurz bevor Renate zu ihm ziehen wollte, war Irgendetwas, ihm Unbekanntes, in Renates Leben getreten. Sie hatte nicht darüber reden wollen. Dieses „Etwas“ trug Schuld daran, dass Renate von einem auf den anderen Tag die Lust verloren hatte, sich weiter
mit ihm abzugeben.
Benno brütete in Trübsal vor sich hin. Renate ging nicht mehr mit ihm Tanzen, auch sang sie nicht mehr für ihn. Spaziergänge lehnte sie ab, sprach am Telefon von anderen Dingen, die sie in Anspruch nähmen. Dann bekam Renate eine Grippe, die ihr zeitweilig die Stimme raubte, sie hatte deshalb am Telefon nicht sprechen können. Bestimmt hing alles zusammen, dachte Benno und fand es ungerecht, ja, unverzeihlich, dass die Umstände ihm Renate entzogen. Das konnte er nicht zulassen. Er musste sich um Renate kümmern. Er würde sie überraschen, dann sang sie auch wieder. Auch und obwohl sie damals nicht mehr hatte zusehen wollen.
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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