15
Jun
2011

nonverbal II

ich lag nicht in deinem bett
und spürte doch die schwere
deiner hand auf meinem bauch
ich frage mich / was es sollte / damals
als du angetrunken oder gar betrunken
neben mir irgendwann dann doch
in deinen schlaf sankst / der mich kaum
ruhen ließ ob deiner stöhner
dich fragen werde ich nicht /
würde ich fragen können
erzählte ich schon / wäre beim
ausplaudern über mich
oder gäbe wissen preis
was unangemessen

©GJ20110615

14
Jun
2011

Elixier

Jedes Buch, das sie las, war Nahrung und wurde nach wenigen Seiten des Lesens zu ihrem Leben. Solange sie mittendrin war, ging es ihr gut, blühte sie auf, spürte sich. Wie das bei Suchtkranken so ist, wurde es immer dann kritisch, wenn das Suchtmittel zur Neige ging. Die letzten Seiten, noch in die Länge ziehend versuchte sie sich, nicht einmal besonders kraftvoll, gegen die Entzugserscheinungen zur Wehr zu setzen.
Es gab unzählige Bücher, die noch gelesen werden wollten. Eine Menge auch jener, die die Sucht zwar nicht heilten, aber vorübergehend stillten. Immer wieder von einem zum nächsten Buch floss ihr Lebensstrom durch das übernächste, seitenlang bis zum letzten Blatt, das sich nicht wenden ließ. Dort lauerte jedes Mal das Gefühl verlassen zu werden.
Die Beschaffung von Nachschub hatte sie organisiert.

©GJ20110613

11
Jun
2011

Einzig

Dieses abschnittweise Sehen von Ausschnitten. Wie kann man glauben einen Menschen zu kennen, wenn man mit ihm eine Unterdessenzeit verlebt? Glauben dieser Mann sei einzig? Was, wenn eine andere Frau, ihn ebenso zu kennen glaubt, weil sie von dem „Unterdessen“ nichts ahnt, wenn eine dritte, eine vierte gar, sich gleichfalls mit einem Ausschnitt begnügte? Ihr ganzes Ich hinein gäbe in diesen Bruchteil von Leben, die fehlenden Teile sich selbstredend ausfüllte?
Reduziert auf Fitzelchen, Leben eingedampft auf Momente. Auf Telefonate, Briefe und Gedichte, Worte als Liebesbezeugungen, seltene Treffen. Wie richtet man sich damit im Leben ein? Kann man einen Menschen lieben, ohne sein Leben zu durchdringen? Der Wunsch danach, gewünscht zu werden, sich ausschließt? Was, wenn die Ganzheit der Gefühle nicht auf beiden Seiten des Pols, und dennoch - Liebe bestimmend ist? Eine unendliche Zuneigung, zentriert die Leidenschaft gehegt und gepflegt in Abwesenheit des Adressaten. Den Schmerz gefüttert, gezüchtet, als unterschiedliche Ebenen wuchsen. Aufgetragen auf fehlende Puzzleteilchen. Im Gesamten mit Bekanntem bebildert. Zum Kunstwerk erhoben, ohne zu wissen wie wahrhaftig.

©GJ20110609

*Erklär mir Liebe, Ingeborg Bachmann*

7
Jun
2011

klang_stille

die streicher weinen flehen
im crescendo spielen die bläser
ein letztes mal auf werden eins
im forte mit dem brausen der orgel

volltönend schwingt die luft vibriert
bis zum abschlag des taktstocks
durchwellt den unsichtbaren raum
gestillt das unbestimmte sehnen

gleichsam fern ein donnern
und rauschen: applaus


dann stille

©GJ20110605

5
Jun
2011

nach dem gewitter

wind frischt auf kühlt
raum und denken kräuselt
härchenflaum auf deinem arm
der atem - gleichstrom

bemooste mauern
polstern die erinnerung

du suchst
nach dem verlorenen wort
trachtest sterne zu pflücken
dabei ist alles gesagt

©GJ2005/2011

4
Jun
2011

Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Heute, einen Tag nach dem Besuch der Nelly-Sachs-Ausstellung, kann ich noch nicht präzisieren und werde es vielleicht auch nicht in verständliche Worte fassen können, was mich an dieser Ausstellung sehr berührt hat.
Gewiss war es auch das Ambiente des Jüdischen Museums, das die Geschichte aufleben lässt, in dem die Ausstattung daran erinnert, wie wohlhabende Juden um 1930 in Deutschland gewohnt haben.
Es ist, als hätte mich eine jener Adern aus dem „Adernetz der Sprache", Nelly Sachs' getroffen und stumm gemacht, ergriffen, vom Schicksal der Nelly Sachs, als Mensch und Autorin, die beide ineinander verschmolzen waren.
Wer die Gelegenheit hat, sich diese Ausstellung anzusehen, anzuhören, u. a. mit eindringlichen Tondokumenten - Nelly Sachs bei der Preisverleihung des Deutschen Buchpreises in der Paulskirche 1965, Paul Celan beim Rezitieren ihrer Gedichte - sollte es nicht versäumen.
Die Wanderausstellung kommt auch nach Dortmund
(19.11.2011 - 29.01.2012) Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund

2
Jun
2011

?

vernebelt durch den eignen duft / der ihn betört und
deine illusion füttert / dass alter keine rolle spiele
nicht für dich und jetzt auf keinen fall / wäre da nicht
dieses leichte kichern in deinem hinterkopf und
der blick / abgerückt / als dein zuschauer


©GJ20110520

30
Mai
2011

"Ein Tag für die Literatur"

Unter dem Motto „Literaturland Hessen - Ein Tag für die Literatur“ hat die LITERATURGESELLSCHAFT HESSEN e. V. (LIT)
am 29.05.2011, um 17:00 Uhr, im Kurhaus - Villa Borgnis, Hauptstraße 21, Königstein im Taunus, eine gutbesuchte Veranstaltung durchgeführt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen ausgewählte Briefe von Caroline Schlegel-Schelling, die 1793 auf der Burg Königstein im Taunus, zur Zeit der „Mainzer Republik“ (Französische. Revolution), inhaftiert war. Festnahmen wurden schon auf die Vermutung hin vorgenommen, dass Bürger mit den Jakobinern (Klubisten) sympathisierten.

Später war Caroline Schlegel-Schelling Mitglied der Gruppe der Jenaer Frühromantiker (Brüder Schlegel, Schelling, Novalis, Fichte u. a.).

Oh wie gut fühlt es sich an, nach einer solch gelungenen Veranstaltung!
Einen halben Zentimeter über dem Boden schweb ich noch, so beflügelt mich das Lob, der Veranstaltungsbesucher.
Scherz beiseite!


Nach meiner etwa zehnminütigen historischen Einführung, die Biografie Caroline Schlegel-Schellings betreffend, mit Zitaten aus ihren Briefen gewürzt, begann das „eigentliche“ Programm.

Lied und Gesang, Lesung eines Briefausschnitts, die kurze Vorstellung der/s jeweiligen Autorin/s und Überleitung vom gelesen Briefausschnitt zum jeweiligen Text des Autors, wechselten ab. Im Mittelteil des Programms schuf Olaf Veltes Lyrik, in der er die Zeit des Vormärz thematisiert, einen engen Zusammenhalt und ließ bei den Zuhörerinnen und Zuhörern den Eindruck der Gesamtkonzeption nachhallen.

Mich hat es beeindruckt, wie fein, die Prosa Maria Knissels, Peter Kapps und Olaf Veltes Lyrik, mit den von Uschi Flacke gelesenen Briefausschnitten Caroline Schlegel-Schellings korrespondierten. Während der Organisationsphase die Vorstellung im Kopf zu haben, ist nicht zu vergleichen, mit realem Hören, während des Ablaufs.
Uschi Flackes Gesang der historischen Lieder, bei dem sie sich auf dem Akkordeon, bzw., der Gitarre begleitet hat, tat weit mehr als ein Übriges.

Ich bin sehr dankbar, dass ich eine solche Veranstaltung moderieren durfte.
Hier kann man schauen wenn man mag:
Literaturgesellschaft Hessen e.V.

©GJ20110530
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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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