23
Aug
2011

Erkenntnis

Manchmal kenne ich mich nicht (aus)
In einem solchen Augenblick
könnte ich die Frau sein
die gegenüber in der Bahn sitzt
oder jene auf dem Foto in der Zeitung
(die Profil hat)
Unsicheren Schritts gehe ich einkaufen
und weiß nicht für wen
©GJ20110819



Es reicht nicht, im Scherbenhaufen nach Klebstoff zu suchen.

18
Aug
2011

Einsicht

Adjektive, mit denen wir Ungeheuerlichkeiten zu beschreiben versuchen, sind meist dem Tierreich entliehen, ungeachtet der Tatsache, dass der Mensch das größte lebende Ungeheuer ist.

14
Aug
2011

./.

Man liebt Verhältnisse besonders wenn sie im Schwinden begriffen.

Als Täumerin hätte ich mein Leben zurichten können.

Wie erniedrigend, als einziger Dilettant zwischen lauter Könnern …

21
Jul
2011

wegzug

in meinem alltag warst du nicht
zu hause esse ich vom teller

aus einem anderen leben und
stochere mit der gabel in vergangenem

das nicht vergeht in einer stille die
beredsam schweigt als hätte es dich nie gegeben

schreibe ich mir mein leben zusammen damit es hält*
fülle seiten mit ungesagtem das verborgen

wege sucht verbindet bis sie verwischen


© GJ20110713

*Erste Version
lege muscheln und steine zum urlaubsmuster
verteile sand im garten und pflanze strandnelken

mein schlafraum hat jetzt ein bullauge

19
Jul
2011

umzugskartons

hände erzählen rissweise
von harter pappe die nicht aushält
was sie verspricht denn bücher sind schwer
verletzte fingerkuppen zerfetze nägel vom hineinlangen
in griffmulden die ausreißen
wieviele kisten noch mögen es sein ich weigere mich zu zählen
will’s nicht wissen möchte nur dass der spuk ganz real aufhört und ich mich finde

©GJ20110717

(leider bekomme ich hier die Setzung nicht so hin, wie sie sein sollte)

29
Jun
2011

Sätze aus den letzten Tagen

Der längste Tag 2011 kam, umnebelte sich und ging, bevor ich seiner gewahr wurde.

Mit der Sonne stehen und fallen Kraft und Wohlbefinden.

Und die Schönheit, geht sie ganz und gar?
Ach bliebe mir ein Rest als Trost.

Mein Gehirn klammert aus.

Der Wert der Worte entsteht, durch ihre Stellung zueinander beim Schreiben.

Ich verankere mein Leben im Schreiben, damit es hält.
(Ich schreibe mich durchs Leben).

Worte nähren - bewahren – begehren …

23
Jun
2011

spaziergang III

schreiben ist aufschrei und stille

durch den gartenweg hinunter
pfingstrosen erinnern an jenen juni
äpfel schon groß wie baumnüsse

talwärts ausholende schritte sind leicht
herauf aber kriecht nagendes frösteln
so kurze zeit nach der rapsblüte

wanderten wir vor jahren unterm
gedehnten blau sahen den falken nach
durch die gemähten wiesen voller

heuduft ging es weiter am feld entlang
jetzt glänzt hellgrün das gerstenmeer
wogend gescheitelt vom wind geneigte

kornblumen einzeln verloren zu früh
am wegrand in auen am fluss damals
blühte uns noch der jasmin

ungezählt die stunden seither
im schreiben geteilt gelebt


©GJ20110605

21
Jun
2011

Vorsicht

Man sollte ein heißes Eisen nicht in eine Plastiktüte packen.

©GJ20110620
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