8
Aug
2012

Mosaik

brüchig noch
träume nicht abgefedert
im fallen aufgefangen
später sonnenaufgang

morgentau verheißung
für weitere mosaiksteinchen
vergangenes zum leben erwecken

erwachsen sind wir noch kinder
glücksglaube stillt unseren hunger

©GJ20120806

7
Aug
2012

schlaflos in s.

abgezählte sonnentage fließen
minutenschnell dahin und
tauchen ab ins abendrot
als wirke nicht kraftvoll lebendige glut
zerrieselt die uhr sekunden
im sommerregen der keinen brand löscht

härchenflaum zartgolden im licht
statisch aufgeladen

©GJ20120805

25
Jul
2012

digitalis

lichte tage grünschattiert
vorbei der mai, es schimmert
schon blau über der gerste

am weg hinauf zum wald verbreiten
holunderbüsche weiße schwüle und
kiefernzapfen würzen die luft

roter fingerhut früh im jahr
leuchtet steil aufgerichtet – und_

wie geht es deinem herz?

laufe barfuß über tannennadeln
streu mir pfeffer auf die erdbeeren
um mich zu spüren

©GJ2012/2008

13
Jul
2012

Desdemona 2012


für Othello


Liebesbeweise konnten dich nicht überzeugen
die Zweifel intrigant gesät, züchteten deinen Hass
und trugen reiche Frucht, um deine Frau zu richten

Kein Wort aus ihrem Mund erreichte noch dein Ohr
du wurdest blind und taub vor Wut, verfluchtest sie,
und schenktest Lügen deinen Glauben

Du prüftest das ihr Unterstellte nicht auf Wahrheit hin
du schäumtest, kochtest voll Verachtung,
sahst nur den Weg der Rache, zu retten deine Ehre

Doch Desdemona floh und brachte sich in Sicherheit
Sie hatte Kraft sich zu befreien, dich zu bewahren
vor deiner Schwäche, die du als Stärke denkst


©GJ20120709

6
Jul
2012

Zum Tag des Kusses

… wenn du nur wüsstest …

Dein Zögern hat mich sehr verwirrt,
als du mich auf die Wangen küsstest.
Wer weiß, ob ich mich nicht geirrt,
dacht’ ich für einen Augenblick,
dass du es spüren müsstest,
wie sehnsuchtsvoll gefangen
ich hing an deinem Lippenrund.
Ach ja, wenn du nur wüsstest,
du küsstest statt der Wangen
schon lange meinen Mund.

©GJ2004
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Sommer - Haiku/Senyru


Früh am Bahnsteig
Sommer-Duft-Moleküle
In Schwingung

Düfte bei Douglas
Schwere Kollision
In der Mittagsschwüle


Mittagstrubel
Unter Platanen
Ein Nickerchen


Klack, knacks, knickt sie um.
Fürs historische Pflaster
zu hoch gestöckelt.

©GJ20120620

25
Jun
2012

Nachträge

An einem jener sogenannten Sommertage.
Es wird nicht hell. Deprimierend, wenn ich mich damit aufhalte, wie es sein könnte, sollte.
Kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn.
Ein Wetter, an dem jedes einzelne meiner Kopfhaare geradezu süchtig die feinen Tröpfchen des Nieselregens an sich bindet. Die Frisur erlahmt, ergibt sich, spiegelt mein Ich.
Die Feuchte dringt in jede Pore, legt einen Film auf die Haut. Ihr fehlt freies Atmen, nach dem Schwitzen: Trocknen. Duschen und Frottieren erfrischen mäßig. Das T-Shirt aus dem Schrank ist klamm. Es lässt sich nur schwer überstreifen, am Körper glattziehen.
Die Brötchen, die ich hole sind nach zehn Minuten Fußweg, obwohl gut verpackt nicht mehr knusprig. Alles scheint aufzuweichen zu ermatten.
Ich lebe nicht am Meer. Doch bilde ich mir bei einem solchen Wetter gern ein, dass es der Fall ist.
Ein Trick, der allerdings scheitern muss, denn es fehlt der Wind und der Salzgehalt der Luft. Auch ist Nieselregen am Meer selten. Meist kommen dicke Wolken, die sich ergießen und gewaschenes Himmelsblau im Schlepp haben. Jedenfalls in meiner Erinnerung an die im Norden verbrachten Ferien.
Ich halte Ausschau.

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Im Grau der tropischen Stunden
denke ich an die Bonobos im Zoo,
die Gorillas und Orang-Utans.
Es ist ihr Klima,
das Gehege ihr "Urwald".
Im Blick der Primaten liegen Millionen Jahre und Verwandtschaft.

©GJ20120620

3
Jun
2012

"Spinnerei"

In der Erinnerung taucht
dieser Eine auf, wird durch
die Phantasie erhöht,
scheint größer als Er war.

Er überstrahlte die Sonnen
abgezählter Sommertage,
hinter denen der Herbst
so manches noch versprach.

Indes, mir Winter schon im Nacken
saß Er im fernen Patagonien
an Deck des Dampfers,
bewundernd Land und Klimazonen,
den Sommer dort.


©GJ20120530

23
Mai
2012

der brunnen

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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 21:00

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